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Vom historischen Buddha Shakyamuni, der vor etwas mehr als
2.500 Jahren lebte, existieren keine unmittelbaren schriftlichen Quellen. Seine Schüler behielten
die Belehrungen im Gedächtnis und schrieben sie nach seinem Tod auf. Die buddhistische
Geschichtsschreibung stützt sich deswegen sowohl auf Texte als auch auf mündliche
Übertragungen.
Nach seiner Erleuchtung zog der Buddha 45 Jahre lang lehrend
durch Nordindien. In den ersten Jahren lehrte er vor allem die grundlegenden Teile des Theravada,
der die Befreiung von persönlichem Leid zum Ziel hat. Darauf baut die Lehre des Großen Weges auf,
in dessen Mittelpunkt Mitgefühl und Weisheit stehen. Schließlich lehrte Buddha auch den Diamantweg,
der direkt auf das Erkennen der Buddha-Natur abzielt.
Der Theravada-Buddhismus verbreitete sich in den folgenden
Jahrhunderten in Indien und später bis weit über die Landesgrenzen hinaus nach Iran und
Zentralasien. Im 1. Jh. n. Chr. kamen die Lehrreden des Großen Weges vermehrt nach Nordindien, wo
sie vom 5. bis 8. Jh. ihre geistige Blütezeit erfuhren. Etwa zur selben Zeit wurde die
buddhistische Lehre in Form des Diamantweg in Tibet bekannt.
Im 11. und 12. Jh. n. Chr. festigte sich der Buddhismus in den
südostasiatischen Ländern als Theravada („südlicher Buddhismus“), und zwar in Sri Lanka, Thailand,
Burma, teilweise Vietnam, Kambodscha, Laos, Indonesien und Bali. In den nördlich und östlich von
Indien gelegenen Gebieten verbreitete sich der Große Weg und der Diamantweg („nördlicher Buddhismus“
). Diese waren China, Japan, Vietnam, Korea, Tibet und ab dem 15./16. Jh. auch die
Mongolei.
Das Ursprungsland verlor den Buddhismus jedoch in dieser Zeit.
Um die Jahrtausendwende begannen islamische Aggressoren, Indien vom Nordwesten her nach und nach
unter ihre Gewalt zu bringen. In Kaschmir wurde der Buddhismus bis 1.100 restlos zerstört. Lehrer
und Praktizierende flohen nach Osten in die zentralindischen Ebenen oder über die Berge nach Tibet.
Gut 100 Jahre später herrschten die Eroberer schließlich über ganz Indien. In der Endphase des
indischen Buddhismus setzten die Lehrer alles daran, die buddhistische Lehre vollständig in jene
Länder zu übertragen, die sich für die Lehre geöffnet hatten. So ging trotz des Wütens der
islamischen Eroberer nichts verloren. Die verbrannten Bücher waren schon längst in viele Sprachen
übersetzt und kursierten in weiten Teilen Asiens. In allen Ländern, die den Buddhismus aufnahmen,
prägte dieser die Kultur für Jahrhunderte, wenn nicht für ein ganzes Jahrtausend, bis in unsere
Zeit hinein (eine Ausnahme davon ist Indonesien, das im 14./15. Jh. ebenfalls in die Hände der
Moslems fiel). So vereint der Buddhismus heute ein außerordentlich reichhaltiges Geistesleben aus
zweieinhalb Jahrtausenden, aus so unterschiedlichen Kulturen wie z.B. dem antiken Indien,
Japan,Tibet, China, Sri Lanka, Thailand oder der Mongolei.
Der Buddhismus verbreitete sich nicht durch Missionieren,
sondern wuchs dort, wo die Menschen dafür offen waren. Buddhas Geburt fiel bereits in eine
ausgesprochen fruchtbare geistige Periode der indischen Kultur, die bestehende Traditionen infrage
stellte, neue Wege ausprobierte und diskutierte. Nach Buddhas Tod verbreiteten seine Schüler die
Lehre weiter. Die indische Klosteruniversität von Nalanda wurde für Jahrhunderte zum geistigen
Zentrum der neuen Bewegung. Reisende Kaufleute brachten den Buddhismus in andere Länder, die
daraufhin Gelehrte aus Indien einluden. Manchmal unterstützten Könige die neue Lehre, wie Ashoka in
Indien, Trisong Detsen in Tibet oder auch der chinesische Kaiser. Ein weiterer wichtiger Faktor für
die geografische Ausbreitung des Buddhismus über Indien hinaus war die Kodifizierung von
buddhistischen Texten. So konnten sie die Grundlage für das Studium der buddhistischen Philosophie
legen und weite Verbreitung finden.
Mit dem 20. Jahrhundert setzte eine neue Phase buddhistischer
Geschichte ein, die sich mit der Vertreibung der Lamas aus Tibet verstärkt hat: die Begegnung des
Westens mit dem Buddhismus. Schon im 19. Jahrhundert, und vermehrt im 20. Jahrhundert, setzten sich
britische, russische, deutsche und französische Gelehrte mit den buddhistischen Schriften
auseinander. Ausgehend von akademischen Interessen, entdeckten die Europäer den Buddhismus
schließlich auch als Lebensweg. Es entstanden die ersten buddhistischen Gemeinschaften in Europa.
Mit dem geistigen Aufbruch der westlichen Welt in den 1960er Jahren begann eine verstärkte Suche
nach Sinn und Orientierung, und die tiefgründigen Lehren des Buddhismus konnten auf viele Fragen
eine Antwort geben. Inzwischen sind viele tausend Menschen im Westen zu Praktizierenden geworden
und haben sich buddhistischen Gemeinschaften angeschlossen.
In Asien dagegen befindet sich die buddhistische Lehre heute
fast überall auf dem Rückzug. Die Kultur Tibets wurde durch die Invasion Chinas in den 1950er und
1960er Jahren fast vollständig zerstört. Ganz offensichtlich ist zurzeit die größte geistige
Offenheit für Buddhismus vor allem in der westlichen Welt zu finden. Es gibt sogar inzwischen
Westler, die den Buddhismus wieder in die asiatischen Länder zurückbringen.
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