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Die so genannten Fünf Ansammlungen (tib.: Skandhas)
beschreiben die ganze Vielfalt der Aspekte, die eine Person ausmachen. Das Erkennen dieser
einzelnen Facetten arbeitet der starken inneren Gewohnheit entgegen, die Person auf ein immer
gleich bleibendes Ich einzuschränken. Denn darin besteht die Hauptursache für die fortwährende
Wiedergeburt im Kreislauf der Existenz und dem damit verbundenen Leid.
Da wir an eine wirkliche Einheit der Persönlichkeit glauben,
legt uns dies auf ein bestimmtes Bild von uns selbst fest. Daraus entstehen weitere falsche
Anschauungen und Störungen. Erkennt man, dass die Vorstellung einer solchen Einheit der
Persönlichkeit nur eine gewohnheitsmäßige Vereinfachung ist, kann man diese vielen Facetten als
riesigen Reichtum bei einem selbst und bei anderen erkennen.
1. Die Ansammlung der Form
Unter dem Begriff “Form” versteht man alle Dinge, die mit den Sinnesorganen
wahrgenommen werden können. Man unterscheidet hierbei die “ursächliche Form” - die vier Elemente
(Erde, Wasser, Feuer, Wind) - und die “bewirkte Form”, die fünf Sinnesfähigkeiten mit den dazu
gehörigen fünf Sinnesobjekten (sichtbare Formen, Klänge, Gerüche, Geschmäcker und berührbare
Objekte) sowie Formen für das Geistbewusstsein (siehe Ansammlung des Bewusstseins). Die
Sinnesfähigkeiten sind die Sinnesorgane wie beispielsweise das Auge. Die Sinnesobjekte gliedern
sich in acht Arten von Gestalt und zwölf Arten von Farbe, acht Arten von Klängen, vier Arten von
Gerüchen, sechs Arten von Geschmack und elf Arten von Körpergefühlen. Hinzu kommen fünf
verschiedene Formen für das Geistbewusstsein, zum Beispiel alle Arten vorgestellter Formen.
2. Die Ansammlung des Gefühls
Das charakteristische Merkmal der Gefühle ist ganz allgemein Erfahrung oder
Erlebnis. Man unterscheidet drei Arten von Gefühlen: angenehme, unangenehme und neutrale. Sie
beziehen sich entweder auf den Körper oder auf den Geist. Vor allem die geistigen Gefühle, die zum
Beispiel in der Meditation erfahren werden, kann man in unendlich viele weitere Facetten
aufgliedern. Furchtlosigkeit, Freude und Mitgefühl werden als absolute Gefühle bezeichnet, da sie
der Natur des Geistes entsprechen. Alle anderen Gefühle sind relativ, da sie aus Bedingungen heraus
entstehen. Die Ansammlung des Gefühls ist gleichzeitig einer der Geistesfaktoren (siehe Ansammlung
der Geistesfaktoren).
3. Die Ansammlung der Unterscheidung
Dieses Skandha wird besonders hervorgehoben, weil Unterscheidung für die Entwicklung von
Weltanschauungen oder Sichtweisen sehr wichtig ist. Hierbei gibt es Unterscheidung ohne Namen -
wenn man zum Beispiel den Namen nicht kennt, oder in der Art, wie Babys Dinge wahrnehmen. Die
Unterscheidung mit einem Namen hilft, etwas als gut oder schlecht zu beurteilen oder Dinge anders
zu benennen. Menschen können lediglich den Tierbereich direkt wahrnehmen, während die Wesen anderer
Bereiche, zum Beispiel der Form- und formlosen Bereiche, Menschen wahrnehmen können. Auch
Unterscheidung zählt zu den Geistesfaktoren.
4. Die Ansammlung der Geistesfaktoren
färbt das Bewusstsein. Sie bestehen aus sechs verschiedenen Gruppen geistiger Ereignisse. Im
Theravada werden insgesamt 47 Faktoren aufgezählt, im Großen Weg 51 Faktoren, die auch noch weiter
unterteilt werden können. Als Geistesfaktoren bezeichnet man alle positiven, negativen und
wandelbaren Zustände im Geist. Es gibt fünf “allgegenwärtige Faktoren”, die jede geistige Erfahrung
begleiten. Dazu gehören Absicht oder Kontakt; fünf “eindeutige Faktoren”, die den Geist auf
bestimmte Objekte ausrichten, wie Streben, Wertschätzung oder Achtsamkeit; elf “positive Faktoren”,
wie zum Beispiel Vertrauen, Schamgefühl oder Respekt; sechs Hauptstörungen wie Unwissenheit,
Begierde und Hass, 20 Nebenstörungen wie Feindseligkeit, nachtragend zu sein oder Groll; vier “
wandelbare Faktoren”, die entweder positiv oder negativ sein können, wie Schlaf oder Bedauern. Es
gibt auch Geistesfaktoren wie Geburt, Lebenskraft, Begriffe oder Worte, die weder eindeutig geistig
noch eindeutig materiell sind.
5. Die Ansammlung des Bewusstseins
Hier unterscheidet man begriffliche Aspekte des Bewusstseins und solche, die frei von
Begriffen sind. Dabei ist Bewusstsein das, was Objekte wahrnimmt, was klar ist und Dinge erkennt.
Im Theravada, teilweise auch im Großen Weg, unterteilt man Bewusstsein in sechs Aspekte: die fünf
Arten von Sinnesbewusstsein und das Geistbewusstsein.
In anderen Schulen des Großen Fahrzeugs, der so genannten „Nur
Geist-Schule“ und der „Shentong-Madhyamaka-Schule“, unterteilt man es in acht Aspekte, in fünf
Arten von Sinnesbewusstseint, das Geistbewusstsein, das verschleierte Bewusstsein und das
Basisbewusstsein.
Sieht man diese Ansammlungen, die Vielfalt der verschiedensten
Bestandteile der Person an, löst sich die feste Vorstellung von einer wirklichen Einheit auf. Die
Erklärungen zu den fünf Ansammlungen wirken der Illusion entgegen, dass der Geist aus einer Einheit
bestünde, denn es gibt ja vier nicht-materielle Ansammlungen und nur eine materielle Ansammlung
(Form). Löst sich diese Illusion auf, erreicht man Befreiung von allem Leid, Befreiung vom
Kreislauf der Existenz.
Im Diamantweg drückt sich die Essenz der Fünf Ansammlungen
durch die männlichen Buddhas der fünf Buddha Familien aus. Die Ansammlung der Form ist in ihrer
reinen Essenz der Buddha Akshobya, Gefühl der Buddha Ratnasambhava, Unterscheidung der Buddha
Amitabha, Geistesaktivität der Buddha Amoghasiddhi, und die reine Essesz des Bewusstseins der
Buddha Vairocana. Abgesehen davon, beseitigt jede Identifizierung mit einem Buddha-Aspekt die
Anhaftung an die Fünf Ansammlungen und wirkt damit als Gegenmittel gegen alle Störungen im
Geist.
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