|
Die buddhistischen Erklärungen über die Wirkungsweise von
Ursache und Wirkung (Karma) zeigen, wie unser Verhalten unser Erleben beeinflusst. Erleuchtete
Aktivitäten entstehen, wenn man vom Karma befreit ist. Vor der Befreiung trainiert sich ein
Buddhist in positivem Verhalten mit Körper, Rede und Geist, um Energie für tiefere Einsichten in
der meditativen Erfahrung zu gewinnen. Die Tendenzen zu negativem Verhalten entfernt er durch
Reinigungsmeditation und starke Wünsche, wobei er den Buddha, seinen Lehrer oder die Freunde auf
dem Weg als Stütze verwenden kann. Mit vielen guten Eindrücken im Geist lässt es sich leichter
meditieren und man findet die Kraft und den Mut durch die Bilderwelten innerer Erfahrungszustände
hindurchzuschauen auf die absolute Raum-Klarheit des Geistes selbst. Auf den „Wegen der Ansammlung
und der Verbindung“ sind die guten Taten so wichtig wie das Sammeln des Holzes vor dem Anlegen
eines Feuers. Mit der Entfernung der Ich-Illusion hat man die dualistische Sichtweise überwunden,
legt aber immer noch Holz nach, um zur vollen Erleuchtung zu gelangen.
Damit dieser Prozess in der richtigen Weise arbeitet,
kombiniert der Buddhist Meditation und Verhalten zur Entfaltung von befreiender Aktivität und
Weisheit. Zunächst lernt er die Auswirkungen dualistischer Handlungen zu beachten und dann die
befreienden Wirkungen der Buddha-Aktivitäten auszuüben. Solange die Welt als positiv, negativ oder
neutral erfahren wird, gilt es positive Handlungen zu üben, negative zu vermeiden und bei neutralen
Handlungen bewusst zu bleiben.
Aus diesem Grunde riet Buddha dazu, mit dem Körper
-
das Leben anderer zu schützen durch Verteidigung, Pflege,
Medizin etc.,
-
sinnvolle Dinge zu verschenken wie Nahrung, Kleidung, Schmuck,
Werkzeuge, aber
auch Fertigkeiten und Fähigkeiten,
-
Lebens- oder Sexualpartner glücklich zu machen, sofern keine
Versprechen der Enthaltsamkeit abgelegt wurden.
Nach Kräften vermeiden sollte man nach Buddha:
-
Töten,
-
Stehlen,
-
jede Form der sexuellen Nötigung, Verletzung oder
Vergewaltigung.
Die Rede wird als mächtiges Instrument gesehen. Obwohl sie
nicht so greifbar ist wie die Handlung, bewegt sie evtl. mehr Menschen und hat sehr weitreichende
Auswirkungen. Die folgenden 4 Redegewohnheiten sind positiv:
-
die Wahrheit sagen gibt Kraft,
-
eine harmonisierende und vertrauenserweckende Rede gewährt
Einfluss,
-
durch eine milde, sanfte Rede bekommt man später viel
Angenehmes zu hören,
-
in Übereinstimmung mit einer Lage sinnvoll zu sprechen führt
dazu, selbst viele
Zusammenhänge zu verstehen und entsprechend von anderen geachtet zu werden.
Auf der negativen Seite wird zuerst vom Lügen abgeraten, denn
es schädigt andere und uns selbst, indem es uns dümmer macht. Die größte Lüge wäre eine über nicht
bestehende geistige Verwirklichung. Ein „falscher Guru“ baut nicht nur negatives Karma für sich
auf, sondern blockiert nach Buddhas Aussagen auch die Entwicklung seiner Anhänger für viele
Lebenszeiten.
-
Intrigieren, Verleumdung oder Hintergehen führt zu einer
Wiedergeburt in völlig undurchsichtigen Verhältnissen, in denen sich niemand zurechtfindet.
-
Durch üble Nachrede oder das ständige Hinweisen auf Fehler und
Schwächen anderer wird man mit negativen Menschen in wenig fruchtbaren Verhältnissen leben.
-
Nach Buddhas Aussage führen Stammtischmentalität und sinnloses
Gerede zu einer Tier-Wiedergeburt. Wenn man dennoch als Mensch wiederkommt, bleibt man
unbeachtet.
Die wichtigsten Tendenzen sind nach buddhistischer Auffassung
Absichten oder geistige Handlungen, von denen letztlich Worte und körperliche Handlungen abhängen.
Hier gilt es zuerst Weisheit zu entfalten. Auf weltlicher Ebene ist es intellektuelles Wissen,
welches von Nutzen für einen selbst und andere ist, auf spiritueller Ebene die Erkenntnis des
Buddha-Potenzials in allen Wesen und das Wissen um den buddhistischen Weg und sein Ziel.
Zweitens wird eine wohlwollende Einstellung jedem Wesen gegenüber empfohlen, da alle Wesen
Glück haben und Leid vermeiden wollen. Drittens empfiehlt Buddha Zufriedenheit zu kultivieren und
sich über die Einzigartigkeit jeder Lage zu freuen.
Die negativen Tendenzen oder Geistesgifte sind in
tibetisch-buddhistischen Rollbildern des Lebensrades als Schwein, Hahn und Schlange dargestellt.
Das Schwein suhlt sich im Schlamm und verliert seine Klarheit. Deshalb bezeichnet es die
Unwissenheit um die Natur des Geistes und die eigene Bewusstseinslage. Der Hahn rennt hinter seinen
Hennen her und ist ständig von Begierde getrieben, was ihn weder zur Ruhe noch zu echter Freude
finden lässt. Schließlich kennzeichnet die Giftschlange die Aggression, welche als das schlimmste
Geistesgift zählt, da die Handlungen, die daraus resultieren, den langen zähen Aufbau vieler guter
Eindrücke in wenigen Momenten zerstören können.
Grundlegende Atem- und Achtsamkeitsmeditationen aller
buddhistischen Schulen helfen in diesem Zusammenhang mehr Abstand von inneren Erlebnissen zu
gewinnen. Die entstehende Geistesruhe lässt dann die Entscheidungsfreiheit heranwachsen,
Negatives zu lassen und sich für positives Verhalten zu entscheiden. Durch Einsicht wird
schließlich die grundlegende Unwissenheit, die Wurzel aller Störungen, beseitigt.
|