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Bei genauer Untersuchung gibt es allerdings viele gute Gründe,
die für ihre Existenz sprechen. Dass der Geist zum Beispiel über den Herz- und Gehirntod hinaus
funktionstüchtig bleiben kann, beweisen Aussagen von Menschen, die klinisch tot waren und wieder
belebt wurden. Zunächst ist das, was dabei erfahren wird, weniger interessant als die Erfahrung
selbst. Wer oder was hat erfahren, wenn „alles“ tot ist? Buddhisten sagen, das sei das Bewusstsein,
eine Strömung des Geistes, die weiterfließt, von Leben zu Leben.
Nur auf dieser Grundlage ist es zu erklären, dass sich viele
Menschen an Erlebnisse aus ihren früheren Leben erinnern. Es gibt besonders in den Vereinigten
Staaten zahlreiche Studien, die nicht nur die Erinnerung an frühere Leben betreffen, sondern die
anhand der Übereinstimmung von klaren Fakten auch den Nachweis erbringen konnten, dass die
entsprechenden Personen tatsächlich früher an einer bestimmten Stelle gelebt haben. Ebenso weisen
Kinder mit besonderen Fähigkeiten, z.B. die sogenannten „Wunderkinder“, darauf hin, dass es frühere
Leben geben muss, denn sie hatten in diesem Leben nicht die Gelegenheit, ihre besonderen
Fähigkeiten zu erwerben. So lassen sich auch allgemeine Denk-, Gefühls- und Verhaltensmuster schon
bei kleinsten Kindern erklären, die in ihrer kurzen neuen Lebensspanne solche ausgeprägten Muster
unmöglich gelernt haben können.
Wenn ein Mensch im Sterben liegt, so laufen bestimmte Prozesse
ab, die man beobachten kann. Das Feste im Körper, Muskeln und Knochen, hat der Sterbende immer
weniger unter Kontrolle. Danach gerät alles Flüssige aus dem Gleichgewicht: Speichel und Urin
können oft nicht mehr gehalten werden. Nach und nach wird der Körper dann von Zehen und
Fingerspitzen ausgehend in Richtung Herz immer kälter. Anschließend wird der Atem immer flacher,
bis er ganz aufhört.
Während die westliche Medizin den Menschen zu diesem Zeitpunkt
für tot erklärt, ist er buddhistisch gesehen noch nicht tot. Was jetzt geschieht, ist folgendes:
Eine als weiß erfahrbare männliche Energie bewegt sich innerhalb von zehn bis 15 Minuten vom Kopf
(ungefähr acht Finger hinter dem Haaransatz) in Richtung Herz. Dabei erfährt der „Tote“ eine große
Klarheit, und 33 verschiedene Formen von Zorn verschwinden. Dann steigt eine rote, weibliche
Energie in der Mitte des Körpers (vier Finger breit unterhalb des Nabels) in Richtung Herz hinauf.
Dabei verschwinden 40 verschiedene Arten von Anhaftung. Wenn das rote und weiße Licht im Herzen
zusammentreffen, entsteht eine tiefe Schwärze, wobei sich sieben Arten von Unwissenheit auflösen.
Jetzt erscheint ein gleißendes weißes Licht, das auf Tibetisch „Tudam“ heißt. Das bedeutet, dass
der Geist jetzt im Herzen ist. Dies ist der Augenblick der Trennung von Körper und Geist. Ungefähr
eine halbe Stunde nach dem klinischen Tod ist der menschliche Körper nun auch nach buddhistischem
Verständnis tot.
Der Körper bleibt zurück, der Geist fällt danach in eine Art
Ohnmacht, die zwischen 68 und 72 Stunden andauert. Da das Bewusstsein immer noch alte
Gewohnheitstendenzen besitzt, sucht es bekannte Menschen und Orte auf. Weil es nun jedoch ohne
Körper ist, stellt sich natürlich große Verwirrung, teilweise auch Panik ein. Die Wahrnehmung der
Phänomene ändert sich: Alles erscheint dumpf, wie aus einem Nebel heraustretend und dann wieder
verschwindend. Diese Art der Wahrnehmung verstärkt die Verwirrung noch. Nach ca. zehn Tagen
entsteht im Geist dann die endgültige Gewissheit, dass man wirklich tot ist. Das führt meistens zu
einer weiteren kurzen Ohnmacht.
In diesem Prozess vermischen sich allmählich
tiefenpsychologische Eindrücke aus dem vergangenen Leben mit der Wahrnehmung. In der nächsten Phase
jedoch reißen mehr und mehr sämtliche Brücken zum alten Leben ab, und die Haupttendenzen aus dem
Speicherbewusstsein bestimmen die Erlebnisse. Dadurch, dass man nicht mehr an einen Körper gebunden
ist, erhöht sich diese Wahrnehmung um ein Vielfaches und wird sehr intensiv. Je nach der Art der
Eindrücke aus dem Leben sind diese Zustände zumindest verwirrend, können aber auch als extrem
leidvoll erfahren werden.
Diese Phase endet spätestens am 49. Tag nach dem Tod, weil
dann das Bewusstsein aus diesem extremen Zustand heraus will und sich neue Eltern „sucht“. Man kann
sich das so vorstellen, dass der Geist von Eltern angezogen wird, die seinen Haupttendenzen
entsprechen (ähnlich, wie man sich mit Menschen einlässt, die den eigenen Vorstellungen entsprechen
und die dann zu Freunden werden). Das Bewusstsein verbindet sich mit Samen und Ei der Eltern, und
ein neues Leben entsteht.
Da Ursache und Wirkung auf der relativen Ebene immer
funktionieren, bestimmt auch hier unser Karma das nächste Leben: Wo werden wir wiedergeboren (in
westlichen Demokratien oder armen Diktaturen)? Mit welchen geistigen Tendenzen (z.B. hilfsbereit,
aggressiv, lernwillig,unterdrückend, neurotisch)? Wie ist unser Körper beschaffen (z.B. gesund,
athletisch, kränkelnd, behindert)?
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