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M
 
Madhyamaka

[tib. U ma] Der große mittlere Weg. Eine philosophische Schule (begründet von Nagarjuna), die auf den Prajnaparamita Sutras und deren Lehre der Leerheit beruht. Madhyamaka befasst sich mit der Transzendenz von Existenz und Nicht-Existenz und legt einen Schwerpunkt auf das abhängige Entstehen aller Dinge.

 
Maha Ati

[tib. Dzogpa Chenpo] Die "Große Vervollkommnung" ist die letztendliche Belehrung der "alten" oder Nyingma-Schule. Essenz und Ziel entsprechen dem von Mahamudra der Kagyü-Schule.

 
Mahakala
Großer Schwarzer
 
Mahamudra

[tib. Chagya Chenpo] Das "Große Siegel" der Wirklichkeit. Buddha versprach, daß dies die letztendliche Belehrung ist. Es wird hauptsächlich in der Kagyü-Tradition gelehrt und führt zur direkten Erfahrung des Geistes. Mahamudra beinhaltet Basis, Weg und Ziel und ist die Quintessenz aller buddhistischen Lehren.

Auf die Buddhanatur vertrauend übt man sich in der Untrennbarkeit von Erleber, Erlebtem und Erleben zu verweilen. Als Ergebnis werden die Fähigkeitewn des Geistes voll erweckt und Erleuchtung wird besiegelt.

 
Mahasiddhas, Siddhas

[Tib. Drubchen] Große verwirklichte Meister des Diamantweges. Traditionell wird eine Gruppe von 84 Mahasiddhas im alten Indien genannt, die aus allen sozialen Schichten kamen und außergewöhnliche Fähigkeiten entwickelten. Der wichtigste Meister unter ihnen war Saraha. Er sowie Tilopa und Naropa haben große Bedeutung für die Kagyü Linie.

 
Mahayana
Großer Weg
 
Maitreya
Der nächste Buddha, der in diesem Zeitalter erscheinen wird.
 
Maitripa

[1007 - 1077] war ein Schüler von Shavaripa, von dem er die Mahamudra-Belehrungen erhielt. Es wird gesagt, daß er ein Schüler von Naropa an der Universität von Nalanda gewesen sei. Maitripa entdeckte die Belehrungen über die Buddha-Natur (Uttara Tantra Shastra) wieder, so daß sie später in Tibet verbreitet werden konnten.
Er war einer der Hauptlehrer von Marpa und er führte ihn in Mahamudra ein.

 
Mala

[Tib. threngwa] Eine Mala ist eine Kette, die aus Perlen besteht und zum Zählen von Mantras verwendet wird. Mantras sind der Ausdruck eines Buddha-Aspekts auf der Ebene des Klangs. Für bestimmte Diamantweg-Praktiken werden die Mantras gezählt, um sicherzustellen, daß bestimmte Resultate der Meditation erreicht werden.
Die große Perle in der Mala steht für die Weisheit, die die Leerheit erkennt. Die zylindrische Perle oberhalb der großen Perle steht für die Leerheit selbst. Gemeinsam symbolisieren sie den Sieg über alle Hindernisse.

 
Mandala

[tib. Khyil-khor, lit. Zentrum und Umkreis]: Kraftkreis eines Buddha-Aspektes, auf den im Diamantweg meditiert wird. Er enthält einen zentralen Aspekt und all die anderen Aspekte, die diesem zugeordnet sind. Ein Mandala wird als gemaltes Bild oder aus Sand gestreut dargestellt.

Es ist ein vorgestelltes Universum voller Kostbarkeiten, welches bei der 3. Grdunübung und bei Einweihungen den Buddhas geschenkt wird.

 
Manjushri
Weisheits-Buddha auf dem Löwen
 
Mantra

[tib. Ngag] Silben oder Worte, gewöhnlich in Sanskrit, die den Geist vor Störungen schützen und die innere und äußere Wahrheit miteinander verbinden. Mantras beinhalten meistens den Namen eines Buddha-Aspektes und werden vielfach wiederholt, um die entsprechende Qualität dieses Aspektes der Erleuchtung zu entwickeln. Mantras sind ein wichtiger Bestandteil einer Diamantwegs- Meditation.

 
Maras, Vier

Die vier Hindernisse auf dem Weg zur Erleuchtung:
1. Devaputra-Mara: das Anhaften an den Freuden des Götterbereichs oder Schwelgen in angenehmen Sinneseindrücken, 
2. Klesha-Mara: Störgefühle insgesamt, 
3. Skandha-Mara: die Vorstellung, daß die Bestandteile der eigenen Person ein wirkliches Ich ausmachen, und 
4. Mrtyupati-Mara: den Tod für letztendlich wirklich zu halten (und nicht zu erkennen, daß der Geist niemals sterben kann, weil er kein Ding ist).

 
Marpa

Marpa Lotsawa (1012 - 1096) - auch "Der Übersetzer" genannt - war der erste tibetische Linienhalter der Kagyü-Schule. Auf seinen Reisen nach Indien erhielt er sehr viele Belehrungen und übersetzte sie ins tibetische.
Er ist auch deswegen für uns im Westen so interessant, weil er äußerlich das Leben eines Laienbuddhisten führte. Er war verheiratet und hatte sieben Söhne.
Marpa wurde in Lhodrag im Süden Tibets geboren. Seine Eltern waren reiche Grundbesitzer. Der junge Marpa (Dharma Wangchuk) war sehr aggressiv und dickköpfig. So wurde er mit 12 Jahren einem Lama anvertraut. Bei ihm lernte er schnell lesen und schreiben. Doch sein Charakter änderte sich nicht. Da die Eltern befürchteten, er würde großen Schaden anrichten, wurde er nach West-Tibet in ein Kloster geschickt. Dort erhielt er jedoch keine Diamantwegs-Belehrungen und er beschloss drei Jahre später nach Indien zu gehen. 
Er ließ sich sein Erbe auszahlen und ging zuerst nach Nepal. Dort traf er auf zwei Schüler von Naropa. Als er dessen Namen hörte, wollte er unbedingt Naropa treffen, blieb aber noch drei Jahre in Nepal um sich an das heiße Klima anzupassen.
Dann zog er weiter nach Indien zu Naropa. Dieser begrüßte ihn als seinen Sohn, dessen Erscheinen ihm von Tilopa prophezeit worden war. Marpa erhielt von Naropa Ermächtigungen und Einweihungen zu Hevajra und anderen Meditationsformen. Hevajra wurde Marpas Hauptpraxis. Von Maitripa erhielt Marpa die Mahamudra-Belehrungen und von der Dakini Niguma das Cathupitha-Tantra. Anschließend erhielt er von Naropa die Übertragung von "Höchster Freude" (Khorlo Demchog) und übte intensiv die " sechs Praktiken von Naropa".
Insgesamt verbrachte Marpa 12 Jahre in Indien. Dann kehrte er nach Tibet zurück, um dort den Dharma zu lehren und Ermächtigungen zu geben. In dieser Zeit sammelte er Gold um eine zweite Reise nach Tibet unternehmen zu können. Außerdem heiratete er seine Frau Dagmema.
Während seines zweiten Aufenthalts in Indien vertiefte Marpa seine Studien bei Naropa und Maitripa. Nach sechs Jahren kehrte Marpa nach Tibet zurück. Er lebt viele Jahre in Lhodrag und in dieser Zeit kam auch sein wichtigster Schüler Milarepa zu ihm.
Dann zog Marpa zum dritten Mal nach Indien, um weitere Belehrungen von Naropa zu erhalten, die dieser ihm versprochen hatte. Auf dem Weg nach Indien traf er Atisha. Atisha lehrte in Tibet die monastischen Aspekte des Mahayana-Buddhismus während Marpa die tantrischen Lehren nach Tibet brachte. Er erzählte Marpa, daß Naropa nicht mehr in menschlicher Form angetroffen werden könne. Nur Schüler mit sehr viel Hingabe und Vertrauen könnten ihm noch begegnen. 
Acht Monate lang suchte Marpa nach Naropa. Dann erschien ihm das Mandala von Hevajra und nachdem er ihn rief, auch Naropa. Er erhielt zwei Belehrungen - unter anderem das Phowa Tronjug, die Bewusstseinsübertragung auf einen anderen Körper. Nach drei Jahren kehrte er nach Tibet zurück. Insgesamt hatte er mehr als 16 Jahre bei seinem Lehrer verbracht. In Tibet lehrte er fortan den Dharma. 

 
Meditation, buddhistische

[tib.: Gom] Das praktische Mittel, um das eigene Potenzial zur Erleuchtung zu erkennen. Durch Meditation wird vorher bloß Verstandenes zur eigenen Erfahrung. Der Begriff "Meditation" bedeutet "müheloses Verweilen in dem, was ist". Auf jeder buddhistischen Ebene verwendet man dafür unterschiedliche Mittel, die aber alle auf dem Beruhigen des Geistes und dem Entwickeln von Einsicht beruhen. Im Diamantweg identifiziert man sich in der Meditation mit Formen aus Energie und Licht als Ausdrucksformen der Erleuchtung.

 
Meditation des Zwischenzustands
[tib. Bardo] Eine der sechs Lehren von Naropa.
 
Medizin, Tibetische

In der tibetischen Medizin ist der Körper mehr als nur ein "Lebenserhaltungs-System". Er ist ein "Fahrzeug" um Buddhaschaft zu erlangen.
Die physische Welt, inklusive unserer Körper, wird als ein Produkt unserer individuellen Wahrnehmung betrachtet. Die Ursache dieser Wahrnehmung liegt in der grundlegenden Unwissenheit, die zu einer Trennung von Subjet, Objekt und Handlung führt. Dadurch entstehen Anhaftung, Abneigung und Gleichgültigkeit und mit ihnen alle Arten störender Gefühle. Die Gefühle wachsen zu Gewohnheiten und zu inneren, oft unbewussten psychologischen Zuständen, die sich in unserem Körper wiederspiegeln. 
Daher legt sich die tibetische Medizin nicht nur auf die Heilung von körperlichen Krankheiten und deren Symptomen fest. Sie zeigt außerdem einen Weg, auf dem störende Gefühle und die grundlegende Unwissenheit überwunden werden können. Wirkliche Heilung beginnt, wenn der Patient auf eine Einstellung und ein Verhalten ausgerichtet wird, welches die Gesundheit fördert. Gesundheit wird dann ein sich steigernder Zustand von Vitalität, Kreativität, Frieden und Freude.

 
Medizin-Buddha

[tib.: Sangye Menla] Die Meditation auf den Medizin-Buddha befreit uns von Krankheiten und grundlegender Unwissenheit und führt zur letztendlichen Buddhaschaft.

 
Melong Dorje

[1243 - 1303] Er wurde als Sohn eines Yogis geboren. Als Heranwachsender rezitierte er häufig die Prajnaparamita-Texte. Dadurch erreichte er ein Verständnis der letztendlichen Wahrheit und deren Erfahrung während seinerMeditationspraxis. Unter den härtesten Bedingungen unternahm er verschiedene Pilgerreisen. Im Alter von 18 Jahren traf er Trulshik Senge Gyabpa (Phowa-Linie) und wurde sein Schüler. Schon während der vorbereitenden Übungen hatte er eine Vision von Diamantgeist, die sechs Tage lang dauerte. In seinen Träumen erhielt er viel Segen von den Lamas der Linie. Melong Dorje hatte viele Visionen von Buddha-Aspekten und studierte bei vielen Lehrern, unter denen Towarepa in Tsurphu war. Er war ein Zeitgenosse des Kagyü-Meisters Orgyenpa, mit dem er gemeinsam 10 Jahre studierte. Orgyenpa war der Wurzellama des 3. Karmapa Rangjung Dorje.

 
Methode
Aktivität der Bodhisattvas zum Wohl der Wesen; die ersten fünf Paramitas immer in Vereinigung mit Weisheit.
 
Mikyö Dorje

[1507 - 1554] Mikyö Dorje wurde in der Provinz Ngamchu in Osttibet geboren. Sobald er auf die Welt gekommen war, setzte er sich auf und erklärte: "Ich bin der Karmapa. Ich bin der Karmapa."
Karmapas Vater ging zu Situ Tashi Namgyal, der in der Nähe war, und erzählte ihm von seinem neugeborenen Sohn. Situpa sagte, daß er sich fast sicher sei, daß es sich bei dem Jungen um die Karmapa- Reinkarnation handle. Er sagte dem Vater, er solle das im Geist halten und entsprechend für das Kind sorgen. 
Ungefähr zur gleichen Zeit erklärte die Amdo-Familie aus Kongpo in Zentraltibet, daß ihr Sohn die Wiedergeburt von Karmapa sei. Auf die Bitte vieler Leute hin kümmerte Gyaltsap Tashi Namgyal sich um das Kind. 
Die in Ngamchu geborene Karmapa-Reinkarnation wurde in die Provinzen Riwo Che und Lho Rong, wo sich viele der früheren Schüler Karmapas aufhielten, gebracht. Sie waren davon überzeugt, daß das Kind in ihrer Obhut die wahre Wiedergeburt war.
Da die beiden Parteien sich nicht einigen konnten, kam es zu erheblichen Problemen. Gyaltsap ließ beide Kinder zusammenbringen, um zu bestimmen, wer der wahre Karmapa sei. In einer solchen Situation wird traditionell geprüft, ob die Kandidaten in der Lage sind, Besitztümer ihres Vorgängers aus einem Stapel von Sachen herauszusuchen. Dieser Stapel besteht aus einer Mischung von Dingen die dem Vorgänger gehörten und anderen Objekten. 
Das Kind aus Ngam Chu war dazu in der Lage, wohingegen das andere Kind versagte. So wurde festgestellt, wer die echte Wiedergeburt war. Der junge Karmapa verkündete, daß der andere Kandidat die Reinkarnation von Surmang Chungtsang aus dem Surmang-Kloster in Osttibet sei. 
Der achte Karmapa erhielt alle Kagyü-Lehren von Denma Drubchen Tashi Paljor. Er studierte und praktizierte auch unter der Leitung vieler anderer Meister. Viele Kloster-Kollegien wurden von ihm gegründet und er verfasste eine Vielzahl bekannter philosophischer Abhandlungen. 
Die innersten Lehren der Kagyü-Linie gab er an den fünften Shamarpa, Küntschog Yenlag, der der nächste Linienhalter wurde. Mikyö Dorje starb mit 47 Jahren.

 
Milam
Traum Meditation
 
Milarepa

[1040 - 1123] Milarepa wurde in einer reichen Familie geboren. Sein Vater starb, als er noch ein Kind war. Sein Onkel übernahm das Land und den Besitz und machte Milarepa, seine Mutter und Geschwister zu Sklaven.
Seine Mutter hoffte, daß sie das Land zurückerhalten würden, wenn Milarepa alt genug wäre. Aber der Onkel lehnte dies ab. So setzte sie Milarepa unter Druck, um schwarze Magie zu lernen. Milarepa zog los, fand einen Lehrer und zerstörte das Haus seines Onkels. Dabei wurden 25 Menschen getötet.
Milarepa erzählte jedem, daß er das Haus durch Magie zerstört habe. Auf diese Art erhielt seine Mutter das Land zurück, es wurde für Milarepa jedoch zu gefährlich zu bleiben. So kehrte er zu seinem Lehrer zurück. Über die Jahre bedauerte sein Lehrer die schlechten Dinge, die er und sein Schüler getan hatten. So schickte er Milarepa fort, damit er einen Dharma-Lehrer findet. Schließlich traf Milarepa auf Marpa.
Bei Marpa hatte Milarepa eine harte Zeit. Dies war nötig, um sein schlechtes Karma zu reinigen. Er ließ ihn mehrere Türme bauen. Doch jedes mal, wenn Milarepa fertig war, sagte Marpa, daß ihm der Turm nicht gefalle. Milarepa musste den Turm wieder abreissen und einen neuen bauen. Zum Schluß musste er einen acht Stockwerke hohen Turm bauen. Als er den Turm fast fertig hatte, erhielt er die erste Belehrung von Marpa.
Danach ging er ins Retreat und verbrachte mehrere Jahre meditierend in abgeschiedenen Höhlen in den Bergen.
Durch seinen Fleiß und sein Vertrauen erreichte Milarepa in einem Leben Erleuchtung. Es wird gesagt, daß er durch die Luft fliegen konnte, durch Felsen gehen konnte, und daß er viele Plätze in unserer Welt und anderen Welten des Universums besuchte. 
Später hatte Milarepa zwei Schüler: Gampopa und Rechungpa

 
Mipam Chödrup Gyamtso

[1742 - 1792] Der zehnte Shamarpa war ein Bruder des Panchen Lama der Gelugpa Schule. Seine Kindheit verbrachte er in Zentral-Tibet in der Provinz Tsang. Sehr zum Erstaunen seiner Eltern erzählte der junge Rinpoche viele Geschichten aus seinem früheren Leben, von denen man wusste, daß sie sich so im Kloster von Tsurphu abgespielt hatten. 
Der 13. Karmapa Düdül Dorje erkannte und inthronisierte den 10. Shamarpa. Shamarpa erhielt alle Belehrungen der Linie vom Karmapa und Tai Situ Rinpoche. Viele große Lamas und Gelehrte anderer buddhistischer Schulen beeinflussten ebenfalls seine Ausbildung. Er reiste ausgiebig durch Kham, Derge und Nangshen, wo er Belehrungen und Ermächtigungen für Lamas, Tulkus und die Bevölkerung gab. Er besuchte viele heilige Plätze in Zentral-Tibet, um dort zu meditieren und Opferungen darzubringen. Nach seinen Reisen kehrte er zu Karmapa nach Tsurphu zurück. 
Einige Jahre später entstand eine Spaltung in der spirituellen und politischen Hierarchie Tibets, die für Shamarpa zu finstren Zeiten führte. Der 11. Dalai Lama war gestorben und der nun verantwortliche Regent war nicht in der Lage, über die engen Grenzen der eigenen Klöster hinaus zu schauen. Dies endete in der Verfolgung des Shamarpa und der Beschlagnahmung seiner roten Krone. Der Regent konvertierte gemeinsam mit der Armee zwangsweise alle Klöster Shamarpas in die Gelugpa-Schule. Es sollte keine Zukunft für weitere Inkarnationen des Shamarpa geben und seine Inthronisierung wurde verboten. Der 10. Shamarpa ging ins Exil und konnte nicht nach Tibet zurückkehren. Trotzdem zeigte er weiterhin die Großzügigkeit und Geduld eines Bodhisattvas. Er verbrachte sein restliches Leben in Nepal und kümmerte sich um die spirituellen Bedürfnisse der Menschen dort.

 
Mipam Chökyi Lodrö

[1952 - ] Genau wie der 5. Shamarpa vorhergesagt hatte, manifestierte sich der 15. Shamarpa als der Neffe des 16. Karmapa Rangjung Rigpe Dorje. Lange vor seiner Geburt gab es in den Klöstern die Vorahnung, daß es bald eine glücksverheißende Geburt in Karmapas Familie geben würde. Karmapa schickte schwarze Pillen und eine spezielle schützende Kordel für das ungeborene Kind zu seiner Schwägerin, als noch niemand ahnte, daß sie eine zukünftige Mutter sein würde.
Im Alter von sechs Jahren sah der junge Rinpoche in der Ferne einige Yangpachen Lamas, die sich dem Kloster Tsurphu näherten. "Sie sind von meinem Kloster" sagte er mit großer Freude. Das war bemerkenswert, denn Shamarpa hatte in seinen früheren Inkarnationen die Aufsicht über das Kloster Dechen Yangpachen. Dies führte zu der Forderung der Lamas, ihren Rinpoche formal anzuerkennen. Aus politischen Gründen hielt Karmapa dies jedoch nicht für ratsam (siehe Mipam Chödrup Gyamtso). 
Viele große tibetische Lamas unternahmen auf Einladung der Mahabodhi-Gesellschaft eine Pilgerreise nach Indien und Karmapa und Shamarpa besuchten auf dem Rückweg das Kloster Dechen Yangpachen. In dessen Haupt-Tempel waren die Statuen aller vorherigen Shamarpas. Das Kind erkannte jeden Shamarpa sofort bei seinem Namen. Er deutete auf die Krone und sagte: "Das sind meine Hüte!" Zu dieser Zeit war er erst vier Jahre alt.
Über die nächsten Jahre verschlechterte sich die politische Situation in Tibet weiter. Der 16. Karmapa und der acht Jahre alte Shamarpa verliessen daher Tibet und ließen sich im nordindischen Staat Sikkim nieder. Karmapa ersuchte den 14. Dalai Lama Tenzin Gyatso um die offizielle Anerkennung von Künzig Shamar Rinpoche. Der Dalai Lama gab in einer öffentlichen Erklärung dem Gesuch statt und Shamarpa wurde 1964 in Rumtek (in Sikkim) inthronisiert. Shamarpa blieb zu intensiven Studien im Kloster. Er erhielt von Karmapa alle Belehrungen der Kagyü-Linie und studierte traditionelle Kunst und Wissenschaft, die Sutras und die Tantras bei Thrangu Rinpoche.
Der 14. Shamarpa gründete das Karmapa International Buddhist Institut (KIBI) in Neu Dehli. In Übereinstimmung mit den Wünschen des 16. Karmapas, fungiert das KIBI heute als ein Institut für höhere Belehrungen in der buddhistischen Tradition. Shamarpa hat eine Erneuerung der essentiellen Belehrungen zu Mahamudra im Auge. Die Ursprünge der Kagyü-Belehrungen werden verfolgt und viele wichtige Abhandlungen der Mahasiddhas werden erforscht und durchgesehen. Dazu gehört auch das Werk des 7. Karmapa "Die Schätze von Mahamudra".
Ein Zentrum, in dem Mahamudra gelehrt werden soll, ist in Planung. Dieses wird die Belehrungen der Karma-Kagyü-Linie bewahren.

 
Mipam Chökyi Wangchuk

[1584 - 1630] Der neunte Karmapa erkannte Mipham Chökyi Wangchuk als die sechste Inkarnation des Shamarpa an. Shamarpa wurde in Drikhung in Zentral-Tibet geboren. Im Alter von 16 Jahren hatte er nicht weniger als zehn Bücher der Parjnaparamita, 16 Bücher des Vinaya, fünf des Abidharma in seinem Gedächtnis gespeichert. Dazu kamen sieben Abhandlungen über Medizin, die komplette Sanskrit-Sprache, verschiedene Studien über Kunst, Zabmo Nang Dön und dessen Kommentare und den kompletten Text des Kalachakra Tantras der Diamantweg-(Vajrayana) Belehrungen. Der jugendliche und nicht zu bändigende Shamarpa drückte seinen Wunsch aus, das frisch gewonnene Wissen mit den besten Köpfen des Landes zu messen.
Shamarpa wurde so ein hoch respektierter Meister der Kagyü-Belehrungen. Er arbeitete unermüdlich in den drei Sphären segensreicher Aktivität: Lernen, Meditieren und praktische Ausführung. Auf Einladung des chinesischen Kaisers besuchte er China. Dieser sorgte dafür, daß zu Ehren der Wünsche seines Lehrers der Kanjur gedruckt wurde.
Bei seiner Rückkehr nach Tibet inthronisierte Shamarpa den 10. Karmapa Tschöying Dorje. Shamarpa wurde sein Wurzel-Lama und gab die Belehrungen der Kagyü-Linie an ihn weiter. Als sein Ansehen bis nach Indien gedrungen war, luden ihn 25 der größten Pandits nach Bodhgaya ein, um dort den Dharma zu lehren. Er war jedoch nicht in der Lage, die Einladung anzunehmen, aber er antwortete jedem einzelnen auf Sanskrit. 
Durch seine diplomatischen Fähigkeiten konnte er in Tibet einen Bürgerkrieg verhindern. Er forderte die das Land beherrschenden Menschen auf, die Grundprinzipien des Dharmas zu achten. So rettete er zahllos unschuldige Leben.

 
Mitgefühl

Bezeichnet die Einstellung, daß das Wohlergehen anderer Wesen wichtiger ist als unser eigenes.  Mitgefühl ist immer gepaart mit Liebe. Während Mitgefühl für den Wunsch steht, daß andere Wesen frei vom Leid und dessen Ursachen sein mögen, steht Liebe für den Wunsch daß alle Wesen glücklich sein mögen.
Es gibt mehrere Mittel um Mitgefühl zu entwickeln (Erleuchtungsgeist). ImMahayana und im Diamantweg- Buddhismus ist das Entwickeln von Mitgefühl sehr wichtig.
Weisheit und Mitgefühl sind untrennbar im Mahayana-Buddhismus. Das Entwickeln von Weisheit führt uns zur Verwirklichung der Leerheit. Der 16. Karmapa Rangjung Rigpe Dorje sagte: "Die wahre Natur der Leerheit ist Mitgefühl. Ohne den Reichtum des Mitgefühls zu erfahren bedeutet es nichts, wenn jemand sagte er habe die Leerheit erkannt."

 
Mönlam

Dieses Ereignis findet an den ersten Tagen eines neuen Jahres an verschiedenen Orten statt. Sinn ist die Ausführung von Wunschgebeten zum Wohle aller Wesen. Nagarjuna sagte, daß wenn Wunschgebete gemeinsam mit großen Bodhisattvas ausgeführt werden, das Ergebnis so kraftvoll ist, daß Naturkatastrophen abgewendet und alle Arten schlechten Karmas entfernt werden können.
Die Tradition des Mönlam entstand in Tibet im 8. Jahrhundert. In den folgenden Jahrhunderten zogen diese Veranstaltungen mehr und mehr Menschen an. Mehr als 50.000 Mönche nahmen teil. Im 13. Jahrhundert führte der 3. Karmapa das Mönlam in der Kagyü-Linie ein. Heute führen Repräsentanten der vier Linien des tibetischen Buddhismus die Gebete gemeinsam durch. 

 
Mudra

[wörtl. Siegel, etwas, das einen tiefen Eindruck im Geist hinterläßt] Im Buddhismus gibt es eine Vielzahl von Gesten, die eine oder beide Hände verwenden oder auch den ganzen Körper. Diese nennt man Mudras. Die Gesten der Buddhas oder Bodhisattvas sind ebenso Mudras wie die Handhaltung während der Meditation
Eine bekannte Mudra ist Buddhas rechte Hand, die die Erde berührt, nachdem er Erleuchtung erlangt hatte (die Erde als Zeuge der Erleuchtung anrufen). Ein andere gut bekannte Mudra ist die Haltung unserer Hände während der Meditation: Wir legen die rechte Hand in die linke. Dies symbolisiert Meditation und Konzentration auf den Dharma.

 
Musik, Tibetische

Tibet steht im Einfluß dreier Zivilisationen: Die Turko-Mongolische, die Chinesische und die Indische. Durch diese von Zeit zu Zeit bereichert, entwickelte sich die eigene historische Tradition unter großer Abgeschiedenheit vom Rest der zivilisierten Welt. Musik spielte eine wichtige Rolle im tibetischen Leben. Die Lamas sagen "Religion ist Klang". Die Rezitation der Mantras, der Gesang und das Spielen von Instrumenten sind grundlegend für die spirituelle Praxis. Diese beinhaltet die reguläre Liturgie und verschiedene nicht-liturgische Rituale. 

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